Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe
 
 

Statement Rademachers: Zwischenbilanz für das Autojahr 2011

Unsere Themen sind die Ergebnisse der Vorstandswahlen des ZDK, eine Zwischenbilanz des Autojahres 2011, die Ergebnisse unseres aktuellen Geschäftsklima-Indexes sowie das Wechselkennzeichen.

Zunächst die Ergebnisse der Vorstandswahlen. In Ihren Unterlagen finden Sie die Namen der Mitglieder des 17 Personen umfassenden ZDK-Vorstands, der den Verband in den nächsten drei Jahren bis Juni 2014 ehrenamtlich führen wird.

An der Spitze des ZDK besteht für weitere drei Jahre Kontinuität: Sowohl meine Kollegen Vizepräsidenten Ulrich Fromme und Wilhelm Hülsdonk, der gleichzeitig zudem Bundesinnungsmeister ist, als auch meine Person haben gerade heute morgen auf unserer Mitgliederversammlung hier in Essen das Vertrauen der Delegierten für eine weitere Amtszeit ausgesprochen bekommen.

Herr Hülsdonk bekleidet sein Amt inzwischen seit sechs Jahren, Herr Fromme und ich seit fünf Jahren. Unsere vielfältigen Aufgaben machen uns Freude. Nicht zuletzt, weil wir sehr viel Rückhalt aus der gesamten Organisation erfahren. Zudem haben wir mit dem gesamten Vorstand sowie mit Hauptgeschäftsführer Dr. Koblitz und seinem Team ausgezeichnete Mitstreiter an unserer Seite.

Der weitere Vorstand ist bis auf zwei Personen unverändert geblieben. Neu in dieses Gremium gekommen sind Hans-Werner Norren, Präsident des Kraftfahrzeuggewerbes Rheinland-Pfalz, und Andreas Senger, Vorstandsmitglied im Verband der Mercedes-Benz-Vertreter. Ausgeschieden sind die Herren Fritz Kuckartz und Bernhard Wirtz.

Darüber hinaus haben wir heute für besondere Verdienste und jahrelanges ehrenamtliches Engagement für das Kfz-Gewerbe auf Bundesebene die Herren Ulrich Fromme, Wilhelm Hülsdonk und Fritz Kuckartz mit der ZDK-Ehrennadel in Gold ausgezeichnet. Soweit zum Verlauf der bisherigen Mitgliederversammlung.

Lassen Sie mich nun zunächst auf die aktuelle Situation in unserer Branche eingehen. Zweistellige Zuwachsraten bei Neu- und Gebrauchtwagen und ein Geschäftsklimaindex der Branche mit dem bisher höchsten Wert untermauern die zurzeit gute Stimmung im Kfz-Gewerbe. Kein Wunder also, dass man seit einiger Zeit auch wieder auf zufriedene Autohändler treffen kann.

Nach einer kurzen Verschnaufpause im April hat sich die aktuelle Marktentwicklung im vergangenen Monat wieder deutlich beschleunigt. So wuchs die Zahl der Pkw-Neuzulassungen im Mai um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres lag der Zuwachs bei 13,1 Prozent auf 1,33 Millionen Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahr.

Ähnlich erfolgreich läuft es zurzeit auch im Gebrauchtwagengeschäft. Im Mai gab es mehr als 615 000 Pkw-Besitzumschreibungen, das waren 13,8 Prozent mehr als im Mai 2010. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres wechselten knapp 2,85 Millionen Gebrauchtfahrzeuge den Besitzer, sodass der Zuwachs 10,8 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum beträgt. Ein weiterer Indikator für aktuell gute Gebrauchtwagengeschäfte sind die Standzeiten der Fahrzeuge bei den Händlern. Innerhalb eines Jahres ging der Durchschnittswert von 94 Tagen im Mai 2010 um 12 Tage auf durchschnittlich 82 Tage im Mai 2011 zurück.

Die Lage im Handel könnte noch besser sein, wenn es nicht Engpässe auf der Angebotsseite gäbe. Müssen Kunden doch auf manches gängige Neuwagen-Modell zurzeit sechs Monate und länger warten. Auch nachgefragte Gebrauchtwagen stehen nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung. Das ist ausgesprochen bitter, weil hierdurch auch Geschäfte verloren gehen. Aus Händlersicht ist dieser Zustand jedoch weit weniger ärgerlich, als die Höfe mit unverkauften Fahrzeugen übervoll zu haben.

Auch das Werkstatt- und Servicegeschäft zeigt sich stabil mit positiver Tendenz. So lag die Auslastungsquote der Werkstätten im Monat Mai 2011 mit 86 Prozent auf gleichem Niveau wie im Vorjahr. Im bisherigen Jahresverlauf bis Ende Mai ist ein Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen.

Die gute Stimmung in den Werkstätten wird untermauert von den Ergebnissen unseres aktuellen Geschäftsklimaindexes für das zweite Quartal dieses Jahres. 56 Prozent der befragten Kfz-Betriebe sprechen von einer „guten“ und 38,1 Prozent von einer „saisonüblichen“ und damit befriedigenden Werkstattauslastung, lediglich 5,9 Prozent zeigen sich unzufrieden.

Der Gebrauchtwagensektor folgt als Gute-Stimmung-Faktor bei den Betrieben an zweiter Stelle - mit 32,4 Prozent gutem und 56,8 Prozent befriedigendem Geschäftsverlauf. Beim Neuwagengeschäft trübt sich die Stimmung aktuell etwas ein. Knapp ein Viertel der Betriebe bewertet den Neuwagenverkauf im laufenden Quartal als „schlecht“. Das mag teils auch an den bereits angesprochenen Lieferfristen liegen.

Dieser Index, den wir seit Anfang des Jahres 2010 quartalsweise erheben, zeigt in diesem Quartal den bisher höchsten Wert seit Beginn der Datenerhebungen.  Das ist ein starker Indikator dafür, dass sich die Stimmung im Kfz-Gewerbe innerhalb der letzten 18 Monate kontinuierlich positiv entwickelt hat. Über alle drei Geschäftsbereiche hinweg bewerten 37,2 Prozent der Betriebe die aktuelle Geschäftslage als „gut“ und 49 Prozent als „befriedigend“, und nur 13,8 Prozent bezeichnen sie als „schlecht“. Das waren 0,8 Prozentpunkte weniger als im ersten Quartal.

Mit 71,5 Prozent geht die Mehrheit der befragten Kfz-Betriebe davon aus, dass sich die Geschäftslage auch im dritten Quartal in befriedigender Weise stabilisieren wird, 15,5 Prozent rechnen sogar mit noch besseren Geschäften. Lediglich knapp ein Siebtel der Betriebe (13,0 Prozent) geht von schlechteren Geschäftsaussichten im „Sommerferienquartal“ 2011 aus.

Bezogen auf die weitere Geschäftsentwicklung rechnen wir bis zum Ende dieses Jahres mit einem Anstieg der Pkw-Neuzulassungen auf deutlich über drei Millionen Einheiten. Auf dem Gebrauchtwagensektor ist mindestens eine Stabilisierung auf Höhe des Vorjahresniveaus von mehr als 6,4 Millionen Besitzumschreibungen zu erwarten. Und das Service- und Teile-Geschäft wird sich aufgrund der anhaltenden Erholung der Gesamtwirtschaft und der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt mit tendenziell leicht wachsender Nachfrage stabilisieren.

Soweit zur aktuellen Geschäftslage im Kfz-Gewerbe. Lassen Sie mich abschließend auf das Thema „Wechselkennzeichen“ eingehen. Der ZDK setzt sich seit Jahren für die Einführung von Wechselkennzeichen ein, die – ähnlich wie etwa in Österreich und der Schweiz – Autofahrern und Autohandel Vorteile bringen würden. 

Folgt man jedoch den Regierungsplänen, soll das Wechselkennzeichen in Deutschland auf zwei Fahrzeuge der gleichen Klasse beschränkt sein. Darüber hinaus sollen Fahrzeuge ohne vollständiges Wechselkennzeichen nicht im öffentlichen Raum abgestellt werden dürfen. Das heißt konkret: Halter von Fahrzeugen mit Wechselkennzeichen müssen über eine Garage oder ein eigenes Grundstück mit Parkfläche verfügen. Damit wären die Bewohner von Mietwohnungen vor allem in Städten als Nutzer des Wechselkennzeichens praktisch ausgeschlossen.

Mit dieser Minimalversion eines Wechselkennzeichens werden sich die Prognosen von Fachleuten, wonach durch ein Wechselkennzeichen fast 100.000 Fahrzeugbesitzer zum Kauf eines verbrauchsgünstigen Zweit- oder Drittwagen animiert werden könnten, nicht erfüllen. Zudem hat der Bundesfinanzminister gegen eine mögliche Ersparnis bei der Kfz-Steuer sein Veto eingelegt. Und klare Aussagen der Versicherungswirtschaft bezüglich möglicher Erleichterungen bei der Kfz-Versicherung stehen ebenfalls noch aus. So ist das Wechselkennzeichen auf dem besten Wege ein Witzkennzeichen zu werden.

Aus unserer Sicht macht ein Wechselkennzeichen nur Sinn, wenn es entsprechende steuerliche Anreize und Erleichterungen bei der Kfz-Versicherung und damit Kaufimpulse etwa für verbrauchsarme Zweit- oder Drittfahrzeuge und nicht zuletzt auch für Elektrofahrzeuge bietet. In diesem Sinn hat der ZDK eine ausführliche Stellungnahme zu dem Verordnungsentwurf an den Bundesverkehrsminister abgegeben. In der derzeit geplanten Form jedenfalls bringt das Wechselkennzeichen nichts – außer mehr Bürokratie.

 
Letzte Änderung: 22.06.2011
 
 

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